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30. September 2026

Stimmberechtigte setzen in Ernährungsfragen auf Information und Aufklärung

Schweizerinnen und Schweizer bevorzugen in Ernährungsfragen Information und Aufklärung statt Gesetze und Verbote. Neue Steuern oder ein Mindestalter für einzelne Lebensmittel sind nicht mehrheitsfähig. Projekte mit dem Bund, wie zum Beispiel die Zuckerreduktion im Rahmen der Erklärung von Mailand, geniessen starken Rückhalt. Zudem möchten 28 Prozent der Stimmberechtigten Gewicht abnehmen. Die Einstellung zu Abnehmmedikamenten hängt dabei stark von den Motiven ab. Das zeigt der 13. Monitor Ernährung und Bewegung von gfs.bern.

Infor­ma­tion und Aufk­lärung statt Steuern und Gesetze 

Die Stimm­berechtigten bevorzu­gen Eigen­ver­ant­wor­tung gegenüber staatlichen Mass­nah­men. Im Span­nungs­feld zwis­chen Eigen­ver­ant­wor­tung (10 auf der Skala) und staatlich­er Inter­ven­tion (0 auf der Skala) möchte eine Mehrheit das Heft weit­er­hin selb­st in der Hand haben. Es zeigt sich jedoch eine leichte Ver­schiebung in Rich­tung Staat (von 7.0 auf 6.2). Bei der Frage, wie Ernährungsver­hal­ten bee­in­flusst wer­den soll, bleibt die Präferenz für Infor­ma­tion und Aufk­lärung (0) gegenüber Steuern und Geset­zen (10) beste­hen. Der Mit­tel­w­ert steigt von 3.0 auf 3.3. 

Grosse Mehrheit möchte Präven­tion statt Verbote 

76 Prozent der Stimm­berechtigten find­en, dass die staatlichen Mass­nah­men gegen Übergewicht nicht aus­re­ichen. Welche Mass­nah­men befür­worten sie? Je 90 Prozent befür­worten Präven­tion­spro­gramme bei Risiko­grup­pen sowie gemein­same Pro­jek­te mit der Wirtschaft. Die frei­willige Zuck­erre­duk­tion im Rah­men der Erk­lärung von Mai­land ist ein gutes Beispiel für diesen Weg. 89 Prozent sind zudem für oblig­a­torische Ernährungskunde. 

Hohen Zus­pruch erhal­ten neben ver­mehrtem Sportun­ter­richt Wer­be­ver­bote für zucker‑, salz- und fet­thaltige Nahrungsmit­tel, die sich an Kinder richt­en (je 82 Prozent). Um diesem Anliegen zu begeg­nen, erar­beit­et der Bund mit Lebens­mit­tel­her­stellern eine frei­willige Selb­stverpflich­tung. Ziel ist eine Reduk­tion der Wer­bung für Lebens­mit­tel und Getränke mit hohem Fett‑, Zucker‑, Salz- oder Energiege­halt, die sich an Kinder unter 13 Jahren richtet. 

92 Prozent betra­cht­en zuge­set­zten Zuck­er in Lebens­mit­teln als Dick­mach­er. 93 Prozent fordern, dass die Lebens­mit­tel­branche aufhört, soge­nan­nten ver­steck­ten Zuck­er in Fer­tig­gerichte zu geben. 63 Prozent sehen die Ursachen von Ernährung­sprob­le­men eher bei den Ess­ge­wohn­heit­en als bei den Lebens­mit­teln. Viele Men­schen hal­ten dem­nach nicht einzelne Lebens­mit­tel für unge­sund, son­dern betra­cht­en die kon­sum­ierte Menge als entscheidend. 

Ein Min­destal­ter ist die unbe­liebteste Mass­nahme gegen Übergewicht 

Ver­bote und Steuern lehnen die stimm­berechtigten Schweiz­erin­nen und Schweiz­er mehrheitlich ab. Mit einem Ver­bot «unge­sun­der» Lebens­mit­tel wären 46 Prozent ein­ver­standen, 45 Prozent mit ein­er Lenkungsab­gabe auf Zuck­er, die zur Aufk­lärung in Ernährungs­fra­gen dient. Die mit Abstand unbe­liebteste Mass­nahme bleibt die Ein­führung eines Min­destal­ters für den Kauf solch­er Lebens­mit­tel (19 Prozent). Die Stimm­berechtigten bevorzu­gen Mass­nah­men, welche die Ernährungskom­pe­tenz fördern. 

Zuck­er­s­teuer ist nach wie vor nicht mehrheitsfähig 

Eine Lenkungsab­gabe will das Ver­hal­ten bee­in­flussen und die Ein­nah­men zweck­ge­bun­den ein­set­zen. Eine Steuer hinge­gen fliesst in den Staat­shaushalt. Die Umfrage zeigt, dass bei­des auf wenig Akzep­tanz stösst. 68 Prozent der Befragten lehnen die Ein­führung ein­er Steuer auf zucker‑, salz- oder fet­thaltige Lebens­mit­tel ab. Mit ein­er Zus­tim­mung von 30 Prozent ist sie noch weniger mehrheits­fähig als die erwäh­nte Lenkungsab­gabe. Die starke Ablehnung erk­lärt sich wie fol­gt: 79 Prozent find­en eine zusät­zliche Steuer ungerecht, weil sie ärmere Men­schen stärk­er belastet. 72 Prozent sind der Ansicht, dass Ernährungs­ge­wohn­heit­en nicht mit Steuern geän­dert wer­den können. 

Frei­willige Zuck­erre­duk­tion in Zusam­me­nar­beit mit dem Bund 

Ein gross­er Teil der in der Schweiz hergestell­ten Erfrischungs­getränke sind zuck­er­frei oder zuck­erre­duziert. Kon­sumentin­nen und Kon­sumenten prof­i­tieren von einem bre­it­en Ange­bot an kalo­rien­ar­men Getränken. 71 Prozent der Befragten sind der Ansicht, dass es genü­gend zuck­er­freie und zuck­erre­duzierte Alter­na­tiv­en gibt. 

Die Her­steller von Erfrischungs­getränken reduzieren den Zuck­er seit Jahren frei­willig und bedi­enen damit die Nach­frage nach leicht­en Durstlösch­ern. Mit der Erk­lärung von Mai­land verpflichteten sie sich 2023, den Medi­an-Zuck­erge­halt bis Ende 2024 um 10 Prozent zu reduzieren. Dank grossem Engage­ment der Branche wurde dieses Ziel ins­ge­samt übertrof­fen. Am 21. August 2025 haben Her­steller mit Bun­desrätin Elis­a­beth Baume-Schnei­der eine Erk­lärung für einen weit­eren Reduk­tion­ss­chritt von 10 Prozent bis Ende 2028 unterzeichnet. 

Zuck­erre­duk­tion bee­in­flusst den Geschmack. Damit sie von Kon­sumentin­nen und Kon­sumenten akzep­tiert wird, muss sie langsam und schrit­tweise erfol­gen. Süssstoffe sind von der Erk­lärung von Mai­land ausgeschlossen. 

Erfrischungs­getränke machen nur 10 Prozent des Zuck­erkon­sums aus 

Laut dem Bun­de­samt für Lebens­mit­tel­sicher­heit und Vet­er­inär­we­sen (BLV) beträgt der durch­schnit­tliche Zuck­erkon­sum in der Schweiz etwa 90 Gramm pro Per­son und Tag. Zahlen unser­er Mit­glieder zufolge machen Erfrischungs­getränke im Durch­schnitt etwa 10 Prozent des Zuck­erkon­sums aus. 

Der grösste Beitrag für aus­ge­wo­gene Ernährung wird bei den Kon­sumenten gesehen 

Welche Akteure tra­gen am meis­ten dazu bei, dass sich Schweiz­erin­nen und Schweiz­er aus­ge­wogen ernähren und aus­re­ichend bewe­gen? Den grössten Beitrag sehen Stimm­berechtigte bei den Kon­sumentin­nen und Kon­sumenten mit 7.3 Punk­ten auf ein­er Skala von 0 bis 10. An zweit­er Stelle ste­hen Kon­sumentenor­gan­i­sa­tio­nen mit 6.6. Darauf fol­gen Fam­i­lie und Fre­unde (6.5) sowie die Schulen (6.2). Weit­er unten rang­ieren das Bun­de­samt für Gesund­heit (6.1), Medi­en (5.6), Lebens­mit­tel­her­steller (5.2), bekan­nte Vor­bilder (5.1) und die Getränke­branche (4.7). 

Akzep­tanz von Abnehmmedika­menten hängt von den Motiv­en ab 

28 Prozent der Stimm­berechtigten möcht­en Gewicht abnehmen. Die Mei­n­un­gen zum Ein­satz von Medika­menten zu diesem Zweck sind geteilt. 41 Prozent sehen dies kri­tisch, 36 Prozent pos­i­tiv. Eine grosse Mehrheit befür­wortet den Ein­satz von Abnehmmedika­menten aus gesund­heitlichen Grün­den (90 Prozent) oder wenn andere Meth­o­d­en nicht funk­tion­ieren (78 Prozent). Skep­sis beste­ht beim Ein­satz von Abnehmmedika­menten aus rein ästhetis­chen Grün­den, was nur 22 Prozent befür­worten. Die Akzep­tanz von Abnehmmedika­menten hängt somit von der medi­zinis­chen Notwendigkeit ab. 

90 Prozent sind voll oder eher der Ansicht, dass Abnehmen vor allem durch Ernährung und Bewe­gung erzielt wer­den sollte und nicht mit Hil­fe von Medika­menten. 64 Prozent denken, dass der Druck, schlank zu sein, steigt, wenn Medika­mente zur Gewicht­sre­duk­tion leicht ver­füg­bar sind. 

Mehr Infor­ma­tio­nen

Im Auf­trag der Infor­ma­tion­s­gruppe Erfrischungs­getränke hat gfs.bern den Mon­i­tor Ernährung und Bewe­gung im März 2026 zum 13. Mal real­isiert. Die Dat­en stam­men aus ein­er repräsen­ta­tiv­en Umfrage mit 1’013 stimm­berechtigten Schweiz­erin­nen und Schweiz­ern. Für die vor­liegende Medi­en­mit­teilung wurde eine Auswahl der Inhalte getrof­fen. Die voll­ständi­gen Resul­tate des Mon­i­tors sind im Schluss­bericht einsehbar.